Barrierefreiheit oder Barrieren bei S21?

Der bestehende Stuttgarter Hauptbahnhof
ist ebenerdig und weitgehend barrierefrei.

Brauchen wir für teures Geld einen Hauptbahnhof mit Aufzügen und gravierenden Nachteilen?

Barrierefreiheit und Sicherheit für teures Geld aufs Spiel gesetzt!

Der dipb (Dachverband integratives Planen und Bauen)
und die angeschlossenen Verbände üben bei „Stuttgart 21“ (in der Folge: S21) das Mitspracherecht der Behindertenverbände aus. Sie verhalten sich gegenüber S21 neutral. Aber nehmen sie nicht vielmehr die Mängel hin oder befürworten diese sogar?

Kopfbahnhöfe sind generell barrierefreier,
als Durchgangsbahnhöfe.

JEDER Durchgangsbahnhof birgt system- und bautechnisch bedingt Barrieren durch Treppen, Rolltreppen und Aufzüge etc., die in einem Kopfbahnhof garnicht erforderlich sind.
Es gibt gute Lösungen bei Durchgangsbahnhöfen, - leider zählt die von S21 beabsichtigte nicht dazu, sondern stellt für das Leben von für mobilitäts- und aktivitätseingeschränkten Menschen eine zusätzliche Barriere dar. - Und nicht nur für sie... Barrierefreiheit nutzt nicht nur mobilitätseingeschränkten Menschen. Wer ist betroffen?
S21 soll ein Tiefbahnhof mit gravierenden Risiken und Tücken werden, die Sie ausführlich behandelt auf den Unterseiten finden werden.

Das Eisenbahn Bundesamt bescheinigte für Stuttgart 21:
“Die Belange behinderter und mobilitätseingeschränkter Menschen werden in ausreichendem Maße berücksichtigt.
Eine vermeidbare Benachteiligung ist nicht zu erkennen.“
„Vermeidbare Benachteiligungen“ sind, wie wir beweisen werden, in hohem Maße vorhanden.
Quelle: PFA B. Begründungen, Absatz 4.9. (S. 374)

Heiner Geißler forderte im Schlichterspruch:
„4.) Im Bahnhof selber wird die Verkehrssicherheit entscheidend verbessert. Im Interesse von Behinderten, Familien mit Kindern, älteren und kranken Menschen müssen die Durchgänge, gemessen an der bisherigen Planfeststellung, verbreitert (werden). Die Fluchtwege sind barrierefrei zu machen.
5.) Die bisher vorgesehenen Maßnahmen im Bahnhof und in den Tunnels zum Brandschutz und Entrauchung müssen verbessert werden. Die Vorschläge der Stuttgarter Feuerwehr werden berücksichtigt.“ Schlichterspruch

Die CDU behauptete im Landtagswahlkampf und die Bahn verkündet weiterhin vollmundig:
“Der Schlichterspruch wird 1:1 umgesetzt!”
Bislang können die Umsetzung der Forderungen zu Sicherheit und Barrierefreiheit nicht festgestellt werden.

 

Baupläne: Lage, Zugänge und anderes: Tiefbahnhof S21

 

Unsere Bedenken und Ängste, weil gängige Normen und Vorschriften missachtend:
Die Fakten in Kurzform der bei S21 unvermeidbaren Barrieren, Gefahren und Hürden:

  • Bahnsteig-Engstelle (bereits ein Gepäckwagen versperrt den Bahnsteig)
  • Bahnsteig-Gefälle (ungebremste Koffer, Gepäckwagen, Kinderwagen oder Rollstühle machen sich selbständig)
  • Nutzung von Aufzügen ist eine Barriere: Anstehen, sich mit Menschen mit Gepäckwagen, Koffern, Kinderwagen oder in Rollstühlen arrangieren, dann über die Verteilerebene zum nächsten Aufzug, wieder anstehen, rangieren; Ausfallquote der Aufzüge?)
  • Unzureichende Sicherheitsvorkehrungen (barrierefreien Fluchtweg und brandgeschützte Aufzüge nicht möglich)

Risiken werden per Sondergenehmigungen und in vollem Bewusstsein eingegangen!
Normen sind aber jeweils MINDESTVORAUSSETZUNGEN und keine „Kann-Bestimmung“!

25.03.2011: Bahnmitarbeiter: Engstellen sind ein Sicherheitsrisiko und stören den Betriebsablauf.
„Das reicht definitiv nicht aus!“
Video

Interimslösung: Für die Bauzeit von 15-20 Jahre sind längere und gerade für mobilitätseingeschränkte beschwerliche Umwegen unumgänglich. Für den Weg vom / zum bis zum Behinderten-Parkplatz neben der LBBW ist eine große Steigung über ca. 200 m zu überwinden! Für Fahrer von handbetriebenen Rollstühlen eine Zumutung!

Wir besinnen uns:
- Love-Parade Duisburg 2010; die Genehmigungen sind stark hinterfragt
- Süd-Korea 2003 stern.de - suedkorea-dutzende-tote-bei-brandanschlag-in-u-bahn
- 2011: im Schnitt alle 6 Wochen ein Zugbrand in Deutschland Zugbrände


Vorteile der Beibehaltung des Kopfbahnhofes:
Umrüstung auf Barrierefreiheit würden und könnten nach und nach sowie nach Prioritäten zeitnah durchgeführt werden.
Der neue Kopfbahnhof würde lediglich ca. 1/3 der Tiefbahnhof21-Kosten verschlingen (bei S21 ein großer Kostenfaktor: Tunnelbauten). Dafür könnten andere Bahnhöfe ebenfalls barrierefreier gestaltet werden. DAVON profitieren ALLE BÜRGER.

Situation im bestehenden Kopfbahnhof:

  • Engste Stelle auf den Bahnsteigen: 2,55 m (bei S21: 1,24 m)
  • Ebenerdig kommt man über den sogenannten “Nordausgang” hinein und hinaus.
  • Zu den S-Bahnen kommt man über einen Aufzug im Bahnhofsgebäude.
  • Zu den U-Bahnen muß man einen Umweg über die Klettpassage in Kauf nehmen.
    Zur Königstraße kommt man barrierefrei ebenfalls nur über den Umweg “Nordausgang.
  • Die Aufzüge zu den S- und U-Bahnen sind getrennt (man muss verschiedene benutzen);
    es sind insgesamt zu wenige / zu klein dimensioniert.
  • Als barrierefreier Fluchtweg steht der “Nordausgang” zur Verfügung.
  • Im Brandfall natürlicher Abzug des Rauches.
  • Im Notfall können Rettungsfahrzeuge direkt in die Bahnhofshalle und auf die Bahnsteige gelangen.

Stresstest:
Beim Stresstest wurde quasi wie mit der Märklin-Eisenbahn untersucht, wie viele Züge wie schnell in den Tiefbahnhof passen. Leider ohne Reisende, Bahn-Mitarbeiter und Rettungskräfte!
Fordern Sie für und mit uns einen Stresstest bezüglich Personenaufkommen mit S21-Originalmaßen zur Spitzenstunde, selbstverständlich mit einer statistisch realistischen Anzahl von Mobilitätseingeschränkten, z.B. Menschen mit größerem Gepäck, Rollator, Kinderwagen, bepacktem Fahrrad und Rollstuhlfahrern. Dieser Stresstest sollte natürlich hinsichtlich Volksentscheid sehr zeitnah erfolgen.

Wir fordern die - seit 15 Jahren überfällige - Renovierung und Ertüchtigung des Kopfbahnhofs, wofür die Steuerzahler der Deutsche Bahn bereits jährliche Zahlungen geleistet haben!!!

Anstelle von S21 lieber einen risikofreien Kopfbahnhof (1/3 der Kosten von S21) und (für 2/3 der Kosten von S21) alle baden-württembergischen Bahnhöfe barrierefrei, sicher und komfortabel gestalten:

Zugunsten eines innovativen,
bürgerfreundlichen und barrierefreien Musterländles!

Oben bleiben = EBEN BLEIBEN


PS: Eine Einsparmaßnahme, um S21 verwirklichen zu können?
04.09.2011: Rückschlag: Bahn streicht Modernisierung
Sigmaringen und Bad Saulgau müssen weiter auf Barrierefreiheit warten
http://www.schwaebische.de/region/sigmaringen-tuttlingen/sigmaringen/stadtnachrichten-sigmaringen_artikel,-Rueckschlag-Bahn-streicht-Modernisierung-_arid,5127749.html