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Wenn ein Zug brennt

In der Antwort der Bahn zum Brandfall im Tiefbahnhof steht als Beispiel ein Papierkorb. Kritiker sammelten 2011, was in diesem Jahr tatsächlich brannte. Die Liste ist lang.

Dichter schwarzer Rauch steigt über den Bahnsteigdächern eines großen Bahnhofs auf
Inhalt
  1. Zugbrände im Jahr 2011
  2. Wie die Bahn die Zahl einordnete
  3. Die abgebrochene Übung von Schönefeld
  4. Daegu, Februar 2003
  5. Simplon und Kaprun
  6. Was daraus für den Tiefbahnhof folgt

Zugbrände im Jahr 2011

Die folgende Aufstellung beruht auf Presseberichten, die 2011 gesammelt wurden. Sie ist nach Angaben der Sammler unvollständig. Sie zeigt trotzdem, dass Brände in Zügen kein theoretischer Fall sind.

Brände und Zwischenfälle mit Zügen 2011
DatumOrtWas geschah
26.01.2011Mannheim HauptbahnhofICE 374 fährt mit brennendem Triebkopf in den Bahnhof ein
16.05.2011zwischen Frankfurt und WürzburgICE gerät in Brand
23.05.2011Kabelschacht an einer Bahnstreckeverschmorte Kabel nach einem Brandanschlag, laut Ermittlern politisch motiviert
05.06.2011Strecke Stuttgart nach KarlsruheRegionalzug brennt, Rauch füllt die Wagen
09.06.2011Simplontunnel, SchweizBrand im Tunnel, monatelange Aufräumarbeiten
25.06.2011Ort in der Sammlung nicht genanntbrennender Intercity gestoppt
25.07.2011Berlin, AlexanderplatzKurzschluss löst U-Bahn-Brand aus
26.07.2011Berlin OstbahnhofLokomotive steht im Bahnhof plötzlich in Flammen
27.07.2011Tübingen HauptbahnhofZugbrand, über 500.000 Euro Schaden
22.08.2011Gundelfingen (Breisgau)brennender Nachtzug evakuiert
22.08.2011Nachtzug nach ZürichBrand an Bord, niemand verletzt
11.09.2011Heidelberg-PfaffengrundSchwelbrand stoppt ICE, Zug evakuiert
21.09.2011Bleicherode (Thüringen)zwei Güterzüge kollidieren, danach Explosion
06.11.2011Landkreis GöttingenIntercity brennt, 310 Reisende aus dem Zug geholt, vier Verletzte

Die Sammler kamen für 2011 auf mehr als einen Zugbrand im Monat.

Eine rote Lokomotive steht im Berliner Ostbahnhof in Flammen, schwarzer Rauch steigt unter das Bahnsteigdach

Wie die Bahn die Zahl einordnete

Im Februar 2011 fragte ein Bürger auf der Plattform direktzu, wie die Evakuierung eines ICE im Fildertunnel geübt werde, und verwies auf mindestens zehn Brände in zwei Jahren. Bahnvorstand Volker Kefer antwortete im März: Über mehrere Jahre gemittelt werde diese Zahl bei ICE nicht erreicht. Die Häufung gehe auf einen bestimmten technischen Defekt zurück, der behoben sei.

Die Antwort beschrieb zudem, wie Brände im Zug verhindert werden sollen: Werkstoffe, die nicht oder nur schwer brennen, für Tunnelfahrzeuge noch strengere Anforderungen, gekapselte Elektrotechnik und eine Notbremsüberbrückung, damit ein brennender Zug den Tunnel verlassen kann.

Beide Sichtweisen haben einen wahren Kern. Moderne Züge brennen seltener. Aber für die Planung eines unterirdischen Bahnhofs zählt nicht der Durchschnitt, sondern der eine Fall, der zur Hauptverkehrszeit eintritt.

Die abgebrochene Übung von Schönefeld

Anfang September 2011 übten Bahn und Rettungskräfte im Bahntunnel zum künftigen Flughafen Berlin Brandenburg in Schönefeld einen Unfall. Die Bahn-Pressestelle sprach danach von einer gelungenen Zusammenarbeit. Feuerwehrleute und der Vize-Landrat des Landkreises sahen es anders.

Die Statisten warteten teils dünn bekleidet bei 15 Grad im Tunnel, andere bei 27 Grad auf dem Flugfeld. Feuerwehrleute nannten die Rettungswege zu eng und die Wasserreservoirs unzureichend. Der Vize-Landrat sagte: „Bei der Übung hat eine Menge nicht optimal funktioniert.“

Für Stuttgart ist die Übung lehrreich, weil sie zeigt, wie lange Rettung unter der Erde dauern kann, selbst wenn alles vorbereitet ist.

Daegu, Februar 2003

Das Feuer in der U-Bahn von Daegu in Südkorea gilt als eines der schwersten Unglücke in der Geschichte der U-Bahnen. Am 18. Februar 2003 legte ein Mann in der Station Jungangno im Zentrum der Stadt in einem Zug Feuer. Der Zugführer alarmierte seine Vorgesetzten nicht sofort. Vier Minuten später fuhr auf dem Nachbargleis ein zweiter Zug in die Station ein.

Mindestens 197 Menschen starben, 147 wurden verletzt. Die meisten Toten gab es im zweiten Zug. In Südkorea folgte eine lange Debatte darüber, ob beim schnellen Ausbau des Landes zu sehr an der Sicherheit gespart worden war.

Ausgebrannte, verrußte Schließfächer in der U-Bahn-Station Jungangno in Daegu, erhalten als Mahnmal

Simplon und Kaprun

Im Juni 2011 brannte es im Simplontunnel zwischen der Schweiz und Italien. Die Schäden an der Röhre waren so groß, dass die Aufräumarbeiten Monate dauerten. Schon im Jahr 2000 hatte die Brandkatastrophe der Bergbahn im Tunnel am Kitzsteinhorn bei Kaprun gezeigt, wie schnell ein ansteigender Tunnel zur Falle wird, wenn der Rauch nach oben zieht.

Was daraus für den Tiefbahnhof folgt

Ein Brand im Zug ist ein realistischer Fall, kein Gedankenspiel. Wie viele Menschen ihn überstehen, entscheidet sich in den ersten Minuten, in der Phase der Selbstrettung. Unter der Erde hängt diese Selbstrettung an Treppen und Rauchabzug, und daran, ob jemand Hilfe braucht.

Wie das im Tiefbahnhof geregelt ist, steht unter Fluchtwege, für die Zulauftunnel unter Fildertunnel.

Bildrechte, teils als Ausschnitt: Zugbrand im Bahnhof Kapstadt, Juli 2018: Sargoth, CC0, Wikimedia Commons; Lokbrand im Berliner Ostbahnhof, Juli 2011: früherer Bestand von diskussion21.de; Schließfächer in der Station Jungangno, 2004: Kussy, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons.